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Rittergut Zedtlitz

place
Wyrhaaue 6-8, 04552 Borna

Ursprüngliche Nutzung

Schlösser & Herrenhäuser - Herrenhaus

Informationen

Gebäudezustand

Baulicher Zustand/Bauschäden

Das Gelände verwildert, die äußeren Mauern sind unverputzt, Fenster und Türen weisen Schäden auf, ein sicheres Betreten des Gebäudes kann nicht garantiert werden

Kategorie

akut bedrohtes Denkmal

Objekt-Nr.

731

Ort

Wyrhaaue 6-8, 04552 Borna

Beschreibung

Das heute verlassene Rittergut Zedtlitz, gelegen in eben jenem Ortsteil der Stadt Borna, besteht in seiner Gesamtheit aus einem Herrenhaus, auch weitläufig als Schloss bezeichnet, einem südwestlich davon gelegenen Wirtschaftsgebäude sowie einer Brücke, die über einen sich ehemals dort befindlichen Wassergraben führt. Das Herrenhaus besteht aus einem dreigeschossigen Haupthaus und zwei sich jeweils links und rechts daran anschließenden zweigeschossigen Seitenhäusern. An die nördliche, hintere Seite des Haupthauses schließt sich ein weiterer Anbau an. Das Gebäude steht etwas über dem restlichen Gelände aufgrund einer künstlichen Aufschüttung, die das Mauerwerk des Kellergeschosses teilweise verdeckt, und bildet dadurch eine Art Terrasse. Zugang zum Herrenhaus erfolgt aus südlicher Richtung über einen künstlich angelegten Wassergraben, der jedoch im südöstlichen sowie südwestlichen Teil zugeschüttet wurde. Nördlich des Hauses erstreckt sich eine ehemalige Gartenanlage, die von dem künstlichen Wassergraben umschlossen wird. Das Gebäude besteht aus Ziegelstein, bei den sichtbaren Gemäuern des Kellergeschosses handelt es sich um Bruchstein. Bauschmuck, wie z.B. Tür- und Fensterrahmen und Pfeiler einer ehemaligen Terrassenbegrenzung, bestehen aus Porphyr. Die Südseite des Herrenhauses stellt die Hauptansicht des Gebäudes dar. Hier befindet sich das Hauptportal, zu dem einige flache Stufen hinaufführen. Bekrönt wird das Portal von einer Kartusche, in der sich die Wappen der Familien von Gladebeck und von Münchhausen, die vermutlich das Herrenhaus in seiner heutigen Gestalt erbauen ließen, befinden. Das Haus ist ebenfalls durch eine Tür an der Rückseite begehbar. Auch über dieser befinden sich eben jene Wappen. Am Dachgiebel der Rückseite ist eine Kartusche zu finden, die eine Inschrift sowie ein Datum enthält und aufschlussreiche Informationen zur Baugeschichte liefert: MIT GOTT DESSEN SCHUTZ ES TREULICH ANBEFOHLEN IST DIES IM ALTEN KRIEG ABGEBRANNTE UND ÜBER 60. IAHR WÜST GESTANDENE HAUS ERBAUET ANNO 1706 – ACH HERR LAS HIE GOTTESFURCHT STETS SAMT DEINEM SEGEN WOHNEN – KRIEG; VERDERBNIS; SCHULD UND BRANT IMMER DIESEN ORT VERSCHONEN Auf dem Haupthaus sowie auf den zwei Seitenhäusern sitz ein aus roten Ziegeln bestehendes Mansardwalmdach, an dem sich mehrere Fenster in der Form von Giebelgauben befinden. Des Weiteren ist das Dach mit zwei Schornsteinen über dem Haupthaus sowie jeweils einem Schornstein auf den Seitengebäuden ausgestattet. (Obj.-Dok.-Nr. des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen: 09304435)

Baujahr

1706 (Datierung durch eine Inschrift an einem Giebel des Herrenhauses)

Nutzung

Derzeitige Nutzung

Das Herrenhaus steht heute leer und droht zu verfallen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude allerdings werden als Wohnraum genutzt.

Geschichte

Ein Herrensitz in Zedtlitz wird erstmals 1190 schriftlich erwähnt. Bei diesem handelte es sich vermutlich um eine einfache Befestigungsanlage in Form eines von Palisaden umgebenen Hauses. Die bis heute verbreitete Annahme, die Ursprünge der Anlage lägen in einer Wasserburg, kann aufgrund fehlender Quellenlage nicht belegt werden. Auch über die genaue Gestalt des Gebäudes zu jener Zeit können keine Aussagen getroffen werden. Eine Urkunde von 1303 nennt die Brüder Siegfried und Friedrich von Bor als Burgherren in Zedtlitz. Da diese über die nötigen finanziellen Mittel verfügt haben könnten, ist es möglich, dass unter ihrer Aufsicht ein Neubau der Anlage vorgenommen wurde, wobei jegliche Hinweise auf die frühzeitliche Bebauung verloren gingen. Im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges kam es zu einem schwerwiegenden Brand auf dem Gut, gefolgt von einem weiteren, der sich wohl zwischen 1675 und 1677 zugetragen hat. Obwohl nur die nebenstehenden Wirtschaftsgebäude niedergebrannt waren, befand sich auch das Herrenhaus in einem relativ schlechten Zustand, dessen Umfang allerdings nicht präzise eingeschätzt werden kann. Im Jahre 1700 geriet das Gut in den Besitz von Adolph Friedrich von Gladebeck und seiner Mutter Christiana Elisabeth, geboren von Münchhausen. Nach dem frühen Tod ihres Sohnes nahm Christiana Elisabeth umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen auf dem Gelände vor. Dazu gehörte die Instandsetzung des dreigeschossigen Haupthauses, die Anfügung der sich seitlich davon befindenden Nebentrakte sowie die Anlegung des Gartens. Die Gedenktafel an einem Giebel des Haupthauses erinnert an die Brände sowie die nachfolgende Vernachlässigung und den Wiederaufbau, der im Jahre 1706 vollendet wurde. Mit dem Tod von Christiana Elisabeths letzter Nachfahrin, ihrer Tochter Johanna Sophia, starb das Geschlecht der von Gladebecks auf Zedtlitz aus. Der Besitz ging nun an Johanna Elisabeths Neffen, Bodo Wilhelm aus dem Winkel, der bereits 1725 seiner Tante das Gut abgekauft hatte. 1782 verkaufte dessen Schwiegertochter es an den aus Dresden stammenden Hofrat und Oberamtmann Dr. Jakob Heinrich Reinhold. Durch eine seiner Nachfahrinnen gelangte es schließlich 1871 in den Besitz von Carl Jasper Graf von Rex, dessen Familie bis zur offiziellen Auflösung und Eingemeindung des Gutes 1922 dort residierte. Über bauliche Maßnahmen, die zu dieser Zeit stattgefunden haben könnten, ist wenig bekannt. Tatsächlich gab es bis 1838, als eine Vermessung der Grundfläche durchgeführt wurde, keinerlei Beschreibung des Areals oder der Bebauung. In den 1930er Jahren zog der Zedtlitzer Kindergarten in das ungenutzte Gebäude ein und in den Folgejahren nach dem Zweiten Weltkrieg lebten mehrere Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten im ehemaligen Schloss. 1969 verkaufte die Familie Schulze, die es in den 30er Jahren gekauft hatte, das Gebäude an die Gemeinde Zedtlitz, die jedoch nicht über die finanziellen Mittel verfügte, um es in Stand zu halten. Nachdem auch der Kindergarten in den 90er Jahren auszog, verfiel das Gebäude nach und nach. Heute steht das Gebäude leer und droht zu verfallen, auch das umliegende ehemalige Gartengelände verwildert. Lediglich die ehemaligen Wirtschaftsgebäude südlich des Herrenhauses wurden saniert und werden aktuell als Wohnraum genutzt. Literatur: Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz/bearbeitet von Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath, Heinrich Magirius u .A. München, 1998. Hilbert, Lothar: Das Rittergut Zedtlitz. Von der Ersterwähnung der Brüder Heinrich und Otto von Cedeliz anno 1191 bis zur Auflösung im Jahre 1923. Borsdorf, 2025. Poenicke, Gustav A. [Hrsg.]: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreich Sachsen. Section I. Leipziger Kreis. Leipzig, 1860. Digitalisat der SLUB: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/498/5?tx_dlf_navigation%5Bcontroller%5D=Navigation&cHash=2b7eef6229ba85ff2b6ec7ffb9f4c277 [letzter Zugriff: 09.07.2026]

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