Vor dem Empfangsgebäude

Museumsbahnhof Markersdorf – Taura

Erfasst am 05.02.2018

Gebäudezustand
Keine Daten vorhanden
Kategorie
Herausragendes Konzept
Objekt-Nr.
387
Ort

Hauptstraße 100, 09236 Claußnitz


Informationen

Beschreibung

Der Museumsbahnhof Markersdorf – Taura besteht heute aus einem Ensemble von sechs Gebäuden, vier Kilometern Gleisanlagen sowie zwei Flussbrücken. Der Bahnhof wurde 1902 auf der Eisenbahnlinie Wechselburg – Chemnitz Küchwald zunächst als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof hochgestuft. Das Empfangsgebäude ist ein dreigeschossiger, mit einem Satteldach gedeckter Ziegelbau. Es handelt sich um einen Typenbau, der baugleich auch an anderen Bahnhöfen der Chemnitzbahn errichtet wurde. Neben dem Empfangsgebäude befinden sich das ehemalige Wasserstationsgebäude und ein Wirtschaftsgebäude. Auf der anderen Seite der Bahngleise befinden sich die ehemalige Güterverwaltung, ein Kleinlokschuppen und ein ehemaliges Getreidelager. Der Bahnhof ist baugeschichtlich, ortsgeschichtlich und technikgeschichtlich von großer Bedeutung für die Region. Die Gebäude sind daher, einschließlich einiger Bahnanlagen und der Gleise im Bahnhofsbereich, als Flächendenkmal geschützt. Der Bahnhof liegt genau an der Ortsgrenze zwischen den Ortschaften Markersdorf und Taura, die hier ineinander übergehen

Baujahr
Empfangsgebäude 1902; Raiffeisengebäude um 1930; Kleinlokschuppen um 1960
Geschichte

Entlang des Chemnitzflusses entstanden im 19. Jahrhundert viele Fabriken, die die Wasserkraft des Flusses für ihre Produktion nutzten. Um die produzierten Waren in die nahe gelegenen großen Städte, beispielsweise Chemnitz, zu transportieren, mussten geeignete Transportwege errichtet werden. Das Chemnitztal wurde daher Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Eisenbahnlinie erschlossen, die von Wechselburg im Chemnitztal bis nach Chemnitz-Küchwald führte und 1902 eröffnet wurde.

Der Bahnhof Markersdorf-Taura wurde am 1. Juli 1902 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof hochgestuft. Aufgrund eines starken Anstiegs des Güterverkehrs auf der Strecke wurde das Empfangsgebäude des Bahnhofs 1937 umgebaut. Die beiden Warteräume der zweiten und dritten Klasse qestaltete man zu Diensträumen und den einstigen Dienstraum zum Warteraum um.

1998 erfolgte die Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke. Bis 2000 wurde der Bahnhof noch für den Güterverkehr genutzt. 2002 erfolgte dann die endgültige Stilllegung der Strecke. Ende 2005 konnte der Verein Eisenbahnfreunde Chemnitztal e.V. die Bahngebäude von der DB ankaufen. Das Trassenband mit der Gleisanlage erwarb kurz darauf der kommunale Zweckverband Chemnitztalradweg.

Die Anlagen des Bahnhofs sind recht umfangreich. Neben dem Empfangsgebäude sind ein Wirtschaftsgebäude und das Wasserstationsgebäude original erhalten. Das Gebäude der Bahnmeisterei wurde ausgangs der 1980er Jahre abgerissen. Die Güterverwaltung, die Kopf- und Seitenrampe sowie die Gleiswaage befinden sich gegenüber an der Ladestraße.

Das Raiffeisen-Gebäude mit der Fuhrwerkswaage wurde erst um 1930 errichtet. Die Gleise 6 und 7 ließ man in dieser Zeit neu verlegen und ein alter Wagenkasten, vermutlich bayerischen Ursprungs, kam als Lager hinzu. Ein letzter Umbau geschah wahrscheinlich in den sechziger Jahren, als auf dem gekürzten Gleis 6 der Triebfahrzeugschuppen für Schienenkleinwagen gebaut wurde.

Nach der Verkehrseinstellung montierte die Deutsche Bahn den Wasserkran und die original sächsische Bahnhofsuhr ab. Diese konnte der Verein im Sommer 2005 zurück erwerben. Die Dreiecksuhr, Weichenlaternen und Signaltafeln nahm der Verein ebenfalls in Verwahrung.

Ursprünglich überspannte die erste Eisenbeton-Rahmenbrücke Sachsens in Hennebique-Bauweise die Gleise des Bahnhofs. Sie wurde trotz Protesten der Fachwelt 2010 abgerissen.

Nutzung
Derzeitige Nutzung

Nach der Stilllegung der Eisenbahnstrecke Wechselburg – Chemnitz-Küchwald im Jahr 2002 verlor der Bahnhof seine ursprüngliche Funktion. Ende 2005 konnte der Verein Eisenbahnfreunde Chemnitztal e.V. das Bahnhofsgelände samt aller Gebäude von der DB ankaufen. Er kümmert sich seitdem um die Instandsetzung der Hochbauten und der verbliebenen Gleisanlagen und nutzt diese als Museumsbahnhof. In regelmäßigen Abständen finden auf dem verbliebenen Stück der Eisenbahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Markersdorf-Taura und Schweizerthal-Diethensdorf Museumsbahnfahrten statt. Das Trassenband mit der Gleisanlage erwarb der kommunale Zweckverband Chemnitztalradweg. Seit 2016 verläuft zwischen Chemnitz und Markersdorf-Taura ein Teil des Chemnitztalradweges auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke. Der Bahnhof kann auch als Event- und Veranstaltungslocation gebucht werden.

Ursrpüngliche Nutzung
  • Bahnhof
  • Brücke
  • Entstehungszeit: Verkehr
  • Lokschuppen
Fläche
Grundstücksfläche

Keine Daten vorhanden

Nutzfläche

Keine Daten vorhanden

Sonstiges

Dank des ehrenamtlichen Engagements der Eisenbahnfreunde Chemnitztal wurde der denkmalgeschützte Bahnhof Markersdorf vor dem Verfall bewahrt. Bahnhöfe sind in einem besonderen Maße ortsbildprägende Gebäude. Viele Menschen verbinden mit ihnen persönliche Geschichten. Sie sind daher über ihre eisenbahn- und technikgeschichtliche Bedeutung hinaus wichtig für die Identität von Ortschaften. Mit der Umnutzung der Gebäude als Museumsbahnhof schuf der Verein der Eisenbahnfreunde außerdem ein beliebtes kulturelles und touristisches Angebot für die Region.


Sanierungskonzepte

Sanierung durch den Verein Eisenbahnfreunde Chemnitztal e.V.

Gemeinnütziges Projekt

Nach der Stilllegung der Eisenbahnstrecke 2002 drohten die Gebäude des ehemaligen Bahnhofs Markersdorf-Taura zu verfallen. Eine Gruppe junger Eisenbahnfreunde aus der Umgebung wollte sich damit nicht abfinden und gründete 2001 den Verein Eisenbahnfreunde Chemnitztal. Er kümmert sich um die Instandsetzung und Instandhaltung der zum Bahnhof gehörenden Gebäude und verbliebenen Gleisanlagen. Außerdem dokumentiert der Verein die Geschichte der Chemnitztalbahn sowie des Bahnhofs und baut eine entsprechende Sammlung auf.

Der Verein arbeitet ohne institutionelle Förderung. Die Finanzierung und Instandhaltung der Anlagen erfolgen komplett in Eigenleistung, was eine große Herausforderung für den Verein darstellt. Eine weitere Herausforderung vor die der Verein nach dem Erwerb des Bahnhofs gestellt wurde, war der kostenintensive Umbau der gesamten Haus-, Wasser- und Abwasserinstallation im Empfangsgebäude, der gezwungenermaßen aufgrund eines Anschlussbescheides des Abwasserzweckverbands durchgeführt werden musste.

Für die Sanierung des Empfangsgebäudes gibt es ein Sanierungskonzept. Man hat sich für eine energetische Sanierung entschieden. Dafür wurden die Decken in den Obergeschossen gedämmt, die Ofenheizung wurde auf eine Brennwertheizung umgestellt, die Einfachglasfenster aus DDR-Zeiten hat man gegen denkmalgerecht gefertigte neue Fenster mit hohem Dämmwert ersetzt. Die Bauleistungen und auch der Materialbezug werden fast ausschließlich durch örtliche Firmen erbracht.

Links

Bilder

Vor dem Empfangsgebäude

Historische Ansicht des Bahnhofs Markersdorf

Historische Ansicht des Bahnhofs Markersdorf-Taura

Kinder spielen vor dem Empfangsgebäude, im Hintergrund die alte Bahnhofsuhr


Karte

Hauptstraße 100, 09236 Claußnitz


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