Ansicht des Fabrikgebäudes und der Toreinfahrt nach der Sanierung

Oberschule und Bücherei Lichtenau, ehem. Strick- und Wirkwarenfabrik Franz Klingner

Erfasst am 15.12.2017

Gebäudezustand
Guter Zustand
Kategorie
Herausragendes Konzept
Objekt-Nr.
379
Ort

Bahnhofstraße 9, 09244 Lichtenau


Informationen

Beschreibung

Das Gebäudeensemble der ehemaligen Strick- und Wirkwarenfabrik Franz Klingner besteht aus einem Fabrikgebäude über winkligem Grundriss (Bahnhofstr. Nr. 11), einer Fabrikantenvilla (Bahnhofstr. Nr. 9) sowie einer steinernen Einfriedung. Es handelt sich um ein zeittypisches stattliches Gebäudeensemble mit aufwändiger Putzgliederung. Die Fabrikantenvilla ist ein zweigeschossiger Putzbau, der mit einem Walmdach gedeckt ist. Die Fassade wird straßenseitig durch einen übergiebelten Mittelrisalit gegliedert. Das Fabrikgebäude erhebt sich als dreigeschossiger Putzbau über einem L-förmigen Grundriss. Es weist eine reiche Putzgliederung sowie eine turmartige Erhöhung auf. Da die ehemalige Textilfabrik einer der größten Arbeitgeber in der Region war, ist das denkmalgeschütze Ensemble baugeschichtlich, ortgeschichtlich und industriegeschichtlich von großer Bedeutung. Das Bauensemble befindet sich zentral gelegen im Ortsteil Oberlichtenau in unmittelbarer Bahnhofsnähe.

Baujahr
1910-1914
Geschichte

1899 erfolgte die Gründung der Strick- und Wirkwarenfabrik durch Franz Klingner. Zunächst firmierte das Werk unter dem Namen „Strumpfwarenfabrik Franz Klingner“. Von 1910 bis 1914 erfolgte die Errichtung des Fabrikgebäudes sowie der Fabrikantenvilla. 1914 wurde das Fabrikgebäude um einen Westflügel erweitert. 1915 erfolgte dann der Bau eines Seitengebäudes. Während vor dem 2. Weltkrieg überwiegend Strick- und Wirkwaren für die Bevölkerung produziert wurden, erfolgte ab 1939 eine fast ausschließliche Produktion von Socken, Untertrikotagen und Handschuhen für die Wehrmacht. 1945 wurde das Werk beschlagnahmt und 1946 enteignet. Es wurde ein volkseigener Betrieb (VEB). In die ehemalige Fabrikantenvilla zog ab 1949 eine Arztpraxis. Bis 1948 firmierte die Fabrik unter dem Namen “VEB Oberlichtenauer Strickwarenfabrik“, ab 1949 unter „Olis Strickwerke“ unter der Leitung der VVB „Trikot“. Ab 1952 gehörte es zum Chemnitzer „Venus-Werk“ innerhalb des VVB „Trikot“. 1953 erfolgte die Zuordnung zum „Idealwerk“ in Chemnitz. Ab 1956 hieß das Werk „VEB Trikotex Olis Strickwarenfabrik“, ab 1957 „Trikotagenwerk Trikotex Wittgensdorf, VVB Industriezweigleitung Trikot, Produktionsbereich IV Oberlichtenau“. Überwiegend produzierte das Werk Untertrikotagen. Ab 1976 umfasste der Betrieb auch die benachbarte Trikotagenfabrik Herold. 1988 begann in dem Betrieb die „Gestattungsproduktion für die Firma Schiesser. 1990 übernahm die Schiesser A.G. dann das Werk, nachdem dort die Produktionsmaschinen modernisiert worden waren. Bis zur Betriebseinstellung 1993 wurden im Werk Trikotagen gefertigt. Ende Mai 1993 endete die Textilproduktion in Oberlichtenau. Arbeitskräfte und Produktion wurden nach Wittgensdorf verlegt. Seitdem stand das Objekt leer und die denkmalgeschützte Fabrik und das Wohngebäude verfielen. Mit Machbarkeitsuntersuchungen im Auftrag der Gemeinde Lichtenau wurde die Eignung der Immobilie als 2-zügige Mittelschule nachgewiesen. Um die Förderfähigkeit des Umbauprojektes zu erlangen, musste das Eigentum an der Immobilie nachgewiesen werden. Daher erwarb im Jahr 2007 die Gemeinde Lichtenau die denkmalgeschützte Industriebrache für 150.000 Euro. Am 01.08.2007 wurde der erste Förderantrag gestellt, am 08.05.2009 ging der Fördermittelbescheid der Sächsischen Aufbaubank für Schulgebäude und Sporthalle mit Außengelände ein. Am 20.08.2009 begann der Umbau des denkmalgeschützten Objekts zur zweizügigen Mittelschule Lichtenau, heute Oberschule. Am 11.11.2011 wurde die Schule in der Bahnhofstraße 11 mit einer offiziellen Schlüsselübergabe eingeweiht. Das Außengelände wurde mit Sportflächen, zwei Pausenhöfen, Schulgarten, Spiel- und Erholungsbereichen sowie Fahrradstellplätzen umgestaltet. Neu gebaut wurde eine moderne Sporthalle mit 500 m² Nutzfläche. 2012 zog die Bibliothek von Lichtenau in die Räume der ehemaligen Fabrikantenvilla in der Bahnhofstraße 9.

Nutzung
Derzeitige Nutzung

Das Fabrikgebäude der ehemaligen Strick- und Wirkwarenfabrik Klingner wird heute von der Oberschule Lichtenau genutzt. In der ehemaligen Fabrikantenvilla befindet sich die Bibliothek von Lichtenau.

Ursrpüngliche Nutzung
  • Entstehungszeit: Industrie
  • Fabrik
Fläche
Grundstücksfläche

9000 m²

Nutzfläche

4500 m²

Sonstiges

Keine Daten vorhanden


Sanierungskonzepte

Finanzierung und Förderung

Finanzierung

Um das ehemalige Fabrikgebäude und die Fabrikantenvilla vor dem Verfall zu retten, erwarb die Gemeinde Lichtenau 2007 die denkmalgeschützte Industriebrache für 150.000 Euro. Insgesamt wurden in den Umbau zur Schule 8 Mio. Euro investiert. Darin sind 3,7 Mio. Euro EFRE Mittel (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), 1,6 Mio. Euro Landesmittel, sowie 2,7 Mio. Euro Eigenanteile der Gemeinde enthalten.

Links

Bauen im Bestand

Denkmalpflegerische Besonderheiten

Beim Bau wurden überwiegend Unternehmen aus der Region herangezogen. Die Herausforderung bestand darin das Industriegebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert den Erfordernissen einer modernen barrierefreien Bildungseinrichtung entsprechend umzubauen. Um Barrierefreiheit zu gewährleisten wurden beispielsweise ein Aufzug, ein Treppenlift sowie ein behindertengerechter Sanitärbereich eingebaut.

Da das Gebäude teilweise unter Denkmalschutz steht, musste sich die Bauverwaltung Lichtenau mit den Denkmalbehörden abstimmen. Man hat sich bemüht, historische Bausubstanz weitgehend zu erhalten. So gelang es im ehemaligen Kontorgebäude der Fabrik die Stuckdecke, die hölzernen Türen, das eiserne Geländer im Treppenaufgang sowie große Teile des Terazzofußbodens zu erhalten. In diesem Bereich im ersten Stock wurde die Schulleitung mit dem Sekretariat untergebracht. Zahlreiche historische Bauelemente wie Fenster, Treppengeländer und Türen sind ebenfalls erhalten geblieben. So gibt es im Gebäude noch mehrere Türen mit Bleiverglasung, darunter auch die historische Eingangstür. Auch die Sprossenfenster mussten in ihrer originalen Farbigkeit beibehalten werden. Wo ein Erhalt der originalen Bausubstanz nicht möglich war, entschied man sich für originalgetreue Rekonstruktionen. Das erkennt man beispielsweise an der Toreinfahrt vor dem Gebäude, die in den historischen Formen neu gebaut wurde.

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Bilder

Ansicht des Fabrikgebäudes und der Toreinfahrt nach der Sanierung

Ansicht des Fabrikgebäudes und der Toreinfahrt vor der Sanierung


Karte

Bahnhofstraße 9, 09244 Lichtenau


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