Gesamtansicht von Spinnereigebäude und ehemaligem Wohnhaus

Werk- und Studienzentrum „Alte Spinnerei“ Hennersdorf

Erfasst am 24.01.2018

Gebäudezustand
Guter Zustand
Kategorie
Herausragendes Konzept
Objekt-Nr.
384
Ort

Bahnhofstraße 16-18, 09573 Augustusburg


Informationen

Beschreibung

Das heute als Werk- und Studienzentrum der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal genutzte, unter Denkmalschutz stehende Bauensemble, zählt zu den ältesten Baumwollspinnereien in Sachsen. Es wurde um 1830 vermutlich durch den auf Spinnmühlen spezialisierten Architekten Christian Friedrich Uhlig errichtet. Herzstück des Komplexes ist das ehemalige Spinnereigebäude, ein viergeschossiges Putzgebäude mit Walmdach, dessen Fassade durch regelmäßige Fensterreihen gegliedert ist. Ihm gegenüber liegt das ehemalige Wohn- und Verwaltungsgebäude. Dabei handelt es sich um einen lang gestreckten, zweigeschossigen Putzbau mit leicht hervortretenden Kopfbauten, dessen Mitte durch einen flachen übergiebelten Mittelrisalit betont ist. Des Weiteren befinden sich auf dem ehemaligen Spinnereigelände noch verschiedene Nebengebäude, die hauptsächlich Handwerksbetriebe beinhalten. Im Gegensatz zu anderen frühen Spinnereigebäuden in Sachsen, die einen aufwändigen architektonischen Schmuck aufweisen, sind die Gebäude der Spinnerei Hennersdorf vergleichsweise schmucklos und einfach gestaltet. Da es sich um eine der wenigen noch erhaltenen frühen Spinnereien in Sachsen handelt, sind die Spinnereigebäude von großer industriegeschichtlicher, architekturgeschichtlicher und ortsgeschichtlicher Bedeutung.
Der Gebäudekomplex liegt südlich der Ortschaft Hennersdorf auf einem Areal zwischen dem Fluss Zschopau und der Eisenbahnlinie mit dem Bahnhof.

Baujahr
um 1830
Geschichte

In der Region rund um Chemnitz entstanden im Zuge der Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert zahlreiche Textilbetriebe. Diese wurden aufgrund der mit Wasserkraft betriebenen Spindeln und Maschinen Spinnmühlen genannt.

Die Hennersdorfer Spinnerei, am Ufer der Zschopau gelegen, wurde um 1830 als Spinnerei Greding erbaut. Als Architekt wird der auf den Bau von Kirchen und Spinnmühlen spezialisierte Baumeister Christian Friedrich Uhlig vermutet. Im Gegensatz zu der in dieser Zeit üblichen Gestaltung der Spinnmühlen mit hohem baukünstlerischem Aufwand mutet die Gestaltung der Hennersdorfer Bauten einfach und schmucklos an. Die Gestaltung des Spinnereigebäudes lebte vor allem vom ausgewogenen Verhältnis zwischen der regelmäßig durchfensterten Fassade und dem Dach, das als Krüppelwalmdach mit Mansardgeschoss und drei durchgehenden Dachhechten ausgebildet war (die ursprüngliche Dachform ist leider nicht erhalten). Das benachbarte niedrigere Nebengebäude für Wohn- und Verwaltungszwecke war durch seine architektonische Gestaltung mit den hervortretenden Kopfbauten, dem übergiebelten Mittelrisalit sowie dem von einem kleinen Uhrturm bekrönten hohen Satteldach repräsentativer als das Spinnereigebäude gestaltet. Eine alte Ansicht von 1855 zeigt, dass der Bereich zwischen den Gebäuden ursprünglich sehr repräsentativ mit einem Gartenhaus, Springbrunnen und Gehölzgruppen ausgestattet war. Diese parkähnliche Gestaltung ist nicht erhalten geblieben.

1858 ging die Spinnerei in den Besitz der Firma Hösel und Co. über. Von 1888 bis 1970 war sie im Besitz der Firma J. G. Leistner. Im Dezember 1971 ist ein Vorkaufsrecht für die Firma Konrad Schönher K.G. in Hennersdorf nachweisbar. Ab 1972 wurden die Gebäude der Spinnerei von verschiedenen volkseigenen Möbelbetrieben als Produktionsstätte genutzt. Nach der Wiedervereinigung erfolgte die Stilllegung des Betriebs.

Im Verlauf der wechselnden Eigentümer und Nutzungen änderte sich die bauliche Gestalt des Fabrikgebäudes mehrfach. So wurde das charakteristische hohe Dach vereinfacht, indem die prägenden Dachhechte entfernt wurden. Außen befand sich seit etwa 1920 ein 6-geschossiger Anbau (vermutlich ein Fahrstuhlschacht oder ein Treppenhaus), der die ursprüngliche Baugestalt stark verfälschte.

1991 kaufte die Werk- und Studiengemeinschaft Gnadenthal e.V. von den Erben der Spinnerei das gesamte Grundstück und baute die maroden Gebäude so um, dass sie als geistliches Begegnungszentrum genutzt werden konnten. Das Konzept der christlichen Gemeinschaft sah eine multifunktionale Nutzung unter Verwirklichung von drei Teilaspekten vor. Um eine wirtschaftliche Grundlage für das „Werk- und Studienzentrum Hennersdorf“ zu schaffen, wurden verschiedene Produktionsbetriebe auf dem Gelände angesiedelt. Auf diese Weise konnten auch zahlreiche neue Arbeits- und Ausbildungsplätze für den Ort geschaffen werden. Der zweite Aspekt bestand in der Schaffung von Wohnraum, Gemeinschaftsräumen und Freizeiteinrichtungen, sowohl für Gäste des Studienzentrums als auch für die Mitglieder der Bruderschaft, die sich vor Ort ansiedelten. Drittens mussten für das geplante Schulungs- und Begegnungszentrum entsprechende Vortrags- und Seminarräume sowie Versorgungseinrichtungen bereitgestellt werden. Während die Gewerbebetriebe hauptsächlich in den Nebengebäuden unterkamen, wurde das Spinnereigebäude für Wohnungen, Schulungs- und Versammlungsräume ausgebaut. Die Verwaltung wurde im ehemaligen Wohn- und Kontorhaus untergebracht. Die vormalige Wasserkraftanlage konnte rekonstruiert werden. Die Sanierung des Spinnereigebäudes erfolgte in etwa zweijähriger Bauzeit ab 1994. Anfang Oktober 1995 konnte das Werk- und Studienzentrum feierlich eröffnet werden.

Nutzung
Derzeitige Nutzung

Das Gelände der ehemaligen Spinnerei dient heute als Werk- und Studienzentrum der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Das Konzept sieht eine multifunktionale Nutzung vor. Zur wirtschaftlichen Absicherung des Zentrums sind mehrere Handwerksbetriebe auf dem Gelände untergebracht. Ferner befinden sich auf dem Areal Wohnungen, Seminar- und Veranstaltungsräume sowie verschiedene Freizeiteinrichtungen.

Die Jesus-Bruderschaft selbst veranstaltet regelmäßig Seminare und Begegnungswochenenden zu unterschiedlichen Themen. Verschiedene Räumlichkeiten auf dem Gelände können außerdem für Veranstaltungen und Familienfeiern angemietet werden. Ferner stehen Räume für eine stille Einkehr und Ferienwohnungen zur Vermietung.

Ursrpüngliche Nutzung
  • Entstehungszeit: Industrie
  • Fabrik
  • Verwaltung
Fläche
Grundstücksfläche

Keine Daten vorhanden

Nutzfläche

Keine Daten vorhanden

Sonstiges

„Von Anfang an hat die Jesusbruderschaft den Kontakt zur Ortsbevölkerung gesucht und dem Dorf nicht nur durch die Sicherung der Arbeits- und Ausbildungsplätze eine sinnstiftende Identität beschert. Auch die christlich geprägten, zugleich aber dem modernen gesellschaftlichen Leben und den aktuellen Problemen verpflichteten Veranstaltungen und Aktivitäten haben neues Leben und positive Grundstimmungen in den Ort gebracht. Sichtbares Zeichen der engen Symbiose ist die Tatsache, dass die Räumlichkeiten des Zentrums wie selbstverständlich als Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden.“

(Zitat Sonderdruck: Werk- und Studienzentrum Hennersdorf, Staatsministerium des Inneren, Freistaat Sachsen)


Sanierungskonzepte

Substanzschonende Sanierung

Denkmalpflegerische Besonderheiten

Die Jesus-Bruderschaft als Eigentümer des Geländes ab 1991 bemühte sich um eine denkmalgerechte und substanzschonende Sanierung der Bauten. Die Sanierung dauerte etwa zwei Jahre vom Frühjahr 1994 bis zur Eröffnung des Werk- und Studienzentrums im Oktober 1995.

Leider stellte sich im Vorfeld der Arbeiten heraus, dass die hölzernen Deckenkonstruktionen im Innern des Spinnereigebäudes durch Schwammbefall zu stark zerstört waren, sodass das gesamte Fabrikgebäude entkernt werden musste. Man näherte sich jedoch wieder der ursprünglichen Situation an, indem die Geschosshöhen, die Gliederung durch Stützenreihen sowie die Lage der Eingänge übernommen wurden. Auch bei der Wahl der Materialen orientierte man sich an der überkommenen Bausubstanz. Durch die notwendige Entkernung bestand jedoch größere Planungsfreiheit, sodass beispielsweise eine zentrale feuersichere Treppenanlage mit angeschlossenem Fahrstuhl in das Gebäude integriert wurde. Der zu DDR-Zeiten an der Außenfassade angefügte Anbau war damit überflüssig geworden und konnte entfernt werden. Das Dach wurde saniert und neu mit Schiefer eingedeckt. Die charakteristischen Dachhechte des ursprünglichen Daches wurden leider nicht wieder rekonstruiert. Mit Ausnahme einer Stahlbetondecke im Erdgeschoss wurden neue Holzdecken auf Holzstützen in das Gebäude eingezogen. Des Weiteren wurden Trennwände gemauert, die elektrischen Leitungen neu verlegt, eine neue Heizanlage im ehemaligen Wohnhaus installiert, die steinernen Fenstergewände restauriert und isolierverglaste neue Holzfenster eingesetzt.

Im Zuge der Sanierung erfolgte auch eine Reaktivierung der Wasserkraftanlage einschließlich des ursprünglichen Graben- und Wehrsystems. Über zwei Turbinen können so zusätzliche 180 Kilowatt Energie ins Netz gespeist werden. Außerdem verdeutlicht diese Art der Energiegewinnung den ursprünglichen Kontext des Bauplatzes am Ufer der Zschopau.

Links

Finanzierung und Förderung

Finanzierung

Die Gesamtkosten der Umnutzung beliefen sich auf rund 4,5 Mio DM. Teile der Summe kamen über Fördermittel zusammen. So erhielt das Projekt 185.000 DM aus der Denkmalförderung des Landes, 300.000 DM von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie 120.000 DM aus dem Sächsischen Dorferneuerungsprogramm. Die restlichen Kosten wurden finanziert durch Spenden und Eigenmittel des Freundeskreises (700.000 DM), aus dem Verkauf von Eigentumswohnungen im sanierten Objekt (2.500.000 DM) sowie über Zuschüsse des Sächsischen Sozialministeriums und verschiedener evangelischer Landeskirchen. Zudem gab es über einen Zeitraum von 10 Jahren eine vergünstigte Steuerabschreibung.

Links

Bilder

Gesamtansicht von Spinnereigebäude und ehemaligem Wohnhaus

Außenansicht des Spinnereigebäudes

Blick ins Gästezimmer

Der große Veranstaltungssaal im Spinnereigebäude


Karte

Bahnhofstraße 16-18, 09573 Augustusburg


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