Schloss und Kirche Seußlitz
Ursprüngliche Nutzung
Sakralgebäude - Friedhof
Sakralgebäude - Kirche
Wohnen & Geschäft - Gasthaus
Wohnen & Geschäft - Wohn- u. Geschäftshaus
Wohnen & Geschäft - Wohnhaus
Schlösser & Herrenhäuser - Herrenhaus
Schlösser & Herrenhäuser - Schloss
Informationen
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Kontakt aufnehmen- Gebäudezustand
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leichte Schäden
- Baulicher Zustand/Bauschäden
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Schloss gefährdet, weil nicht genutzt und leerstehend, vereinzelte Schäden (Risse im Mauerwerk, Feuchtigkeit, kleinere Schäden am Dach); Parkanlage gepflegt durch engagierte Bürger*innen.
- Kategorie
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bedrohtes Denkmal
- Objekt-Nr.
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726
- Ort
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An der Weinstraße 1, 01612 Diesbar-Seußlitz auf Karte anzeigen
- Beschreibung
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Die Schlossanlage Seußlitz liegt am nördlichen Rand des Elbtals eingebettet in die historische Weinbergs- und Gartenlandschaft von Diesbar-Seußlitz. Das Ensemble besteht aus dem barocken Herrenhaus, der Schlosskirche, dem ehemaligen Rittergut mit Wirtschaftsgebäuden, der „Auszugsvilla“ im östlichen Teil, dem Schlosspark mit Terrassenanlage sowie den Garten- und Lusthäusern Heinrichsburg und Luisenburg. Das Herrenhaus bildet den architektonischen Mittelpunkt der Anlage. Die herrschaftliche Dreiflügelanlage nimmt den Grundriss des mittelalterlichen Klosters auf und wird über eine repräsentative Zufahrt von der Elbuferstraße erschlossen. Die zweigeschossigen Fassaden sind durch schlichte Lisenen streng gegliedert. Die Fensterachsen werden durch aufgemalte Lisenen voneinander getrennt. Eine Freitreppe führt von beiden Seiten zum Hauptportal, welches durch eine wuchtige, aufwendig geschnitzte Holztür repräsentiert wird. Die Mittelachse der Hauptfassade betont ein Dreiecksgiebel über der Tür. Im Giebel enthalten sind die Wappen Heinrichs von Bünau und seiner Gemahlin Augusta Helene von Döring sowie eine Kartusche mit lateinischer Inschrift. Den Bau schließt ein hohes, stark geknicktes Mansarddach mit Dachhäuschen und Zierschornsteinen ab. An den südlichen Seitenflügel schließt die Schlosskirche an, die zwischen 1725 und 1727 unter Einbeziehung der Umfassungsmauern der mittelalterlichen Klosterkirche entstand. Aus klösterlicher Zeit erhalten geblieben sind unter anderem ein Spitzbogenfenster, sowie einzelne Arkaden des ehemaligen Kreuzganges, welche bei Trockenlegungsarbeiten an der Südwand der Kirche archäologisch dokumentiert wurden. Der Kirchenraum ist als rechteckiger Saalbau mit flacher Decke ausgebildet. Besonders bemerkenswert ist der farbig marmorierte Kanzelaltar aus Holz mit geschwungenen Volutenkonsolen sowie die darüber angeordnete Orgel auf einer geschwungenen Empore. Die Patronats- und Herrschaftslogen verdeutlichen die enge Verbindung zwischen Schloss und Kirche. Unter der nördlichen Loge befindet sich die Gruft, in welcher unter anderem das Ehepaar von Bünau bestattet war. Südlich und westlich des Schlosses erstreckt sich der barocke Schlosspark. Über ein schmiedeeisernes Tor gelangt man auf eine ehemalige Orangerieterrasse. Die heutige Bepflanzung mit groß gewachsenen, schattenspendenden Platanen resultiert aus der Umgestaltung des Anwesens im 19. Jh.. An die Terrasse schließt ein geometrisch gegliederter Garten im französischen Stil mit Parterre, Blumenrabatten und Hecken an. Mehrere Terrassenstufen mit Freitreppen führen zur Heinrichsburg auf dem Schlossberg. Barock anmutende Sandsteinskulpturen, darunter Allegorien der Jahreszeiten und Monate, säumen den Treppenaufgang. Der östliche Bereich des Parks geht in einen landschaftlich gestalteten Parkteil im englischen Stil über. Neben einem Schlossteich verfügt dieser über einen besonderen und alten Baumbestand.
- Baujahr
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1268-1272 (Klarissenkloster); 1722-1738 (barocker Umbau)
- Nutzung
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Derzeitige Nutzung
Schloss leerstehend (bis auf zwei Ausstellungsräume an der Terrasse), in Privatbesitz, Parkanlage öffentlich zugänglich, regelmäßige Gottesdienste in der Kirche durch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen.
Geschichte
Die Geschichte von Seußlitz reicht bis ins Hochmittelalter zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1205 im Zusammenhang mit dem Ritter Otto von Suselitz, der hier eine Wasserburg bewohnte. Nach deren Zerstörung 1226 durch Ludwig den Frommen von Thüringen, erbaute Markgraf Heinrich den Erlauchte, eine Jagdresidenz die er ab 1255 unterhielt. Nach dem Tod seiner Gemahlin Agnes stiftete er 1268 die Jagdresidenz den Klarissen als Kloster. 1272 konnten die ersten Nonnen, hauptsächlich Töchter des Wettiner Hauses und des Adels der Lommatzscher und Großenhainer Pflege hier einziehen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte es sich zu einem einflussreichen Kloster in der Region. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster säkularisiert. Daraufhin erwarb der herzogliche Gelehrte und Kanzler des Kurfürsten Moritz von Sachsen, Dr. Simon Pistoris 1545 die Anlage und ließ sie zu einem Wohnschloss umbauen. Bis 1722 blieb das Anwesen im Besitz der Familie Pistoris. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der Familie erwarb Heinrich von Bünau, Kanzler am Hofe August des Starken, 1722 das heruntergekommene Schloss mit Park, Orangerie und Rittergut. Unter seiner Leitung erfolgte die umfassende barocke Umgestaltung des gesamten Ensembles. Mit den Planungen wurde der Dresdner Ratszimmermeister George Bähr betraut, der vor allem als Erbauer der Dresdner Frauenkirche bekannt ist. Zwischen 1722 und 1733 entstanden das heutige Herrenhaus, die Schlosskirche, die Lusthäuser Heinrichsburg und Luisenburg sowie die barocke Gartenanlage. Zudem wurde der herrschaftliche Landsitz durch Wirtschaftsgebäude links und rechts der Auffahrt zum Schloss erweitert. 1799 erwarb der Leipziger Kaufmann Johann Friedrich Clauss Schloss und Rittergut. Auf ihn gehen mehrere bauliche Ergänzungen zurück, darunter Loggien am Schloss sowie Wirtschafts- und Kellerbauten im Parkbereich. Ab 1880 befand sich die Anlage im Besitz des Leipziger Kaufmanns Julius Harck. Dessen Sohn, der Kunsthistoriker und Sammler Dr. Fritz von Harck übernahm 1894 Schloss und Rittergut von seinem Vater und ließ für ihn die „Auszugsvilla" im östlichen Teil des Parks erbauen (später Forsthaus und Kindergarten). Das Schloss richtete er als großbürgerliche Sommerresidenz ein. In den mit zahlreichen Kunstwerken und Kunstgewerbegegenständen ausgestatteten Räumen, empfing das Ehepaar mit Vorliebe Freunde und Bekannte und genoß die Seußlitzer Sommerfrische. Den an den Park angrenzenden Gartenpavillon stattete er mit wertvollen Delfter Fliesen aus, die in den 200er Jahren gesichert und restauriert wurden und heute im „Haus des Gastes“ bestaunt werden können. Einige seiner Kunstwerke gelangten später auf Wunsch von Harcks in die Sammlung des Museums der Bildenden Künste Leipzig (u.a. Hans Baldung gen. Grien, Die sieben Lebensalter des Weibes, 1544, Öl auf Holz, 97x74 cm). Nach dem Tod Fritz von Harcks verkaufte seine Frau Helene das Anwesen 1927 an den Fabrikanten Wilhelm Böttger aus Hohenstein Ernstthal, der das Anwesen und die Weinberge wieder selbst bewirtschaftete. 1945 wurde die Familie Böttger im Zuge der Bodenreform enteignet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Verwaltung von Schloss und Park durch verschiedene Institutionen. Die Stadt Dresden mit dem gemeinnützigen Wohnungsbauverein Dresden, die eigenständige Gemeinde Seußlitz und das Landratsamt Großenhain waren die Rechtsträger. Im April 1946 zogen die ersten Bewohner in das Feierabendheim „Schloss Seußlitz“ ein. Die Nutzung als Altenheim erforderte einige Sanierungsmaßnahmen z.B. des Daches, der Küche und der sanitären Anlagen. Auch die Zimmer erhielten eine Erneuerung wie z.B. eine Kohleheizung, die nach 1989 auf eine Ölheizung umgestellt wurde. 2000 zogen die Senioren in ein neuerrichtetes Alten- und Pflegeheim in Merschwitz um und es kam zu einem Versteigerungsverfahren bei dem der Architekt Stephan Braunfels im Jahr 2001 Schloß und Park erwarb. Dessen Konzeptvorlagen konnten nicht realisiert werden und so wurde das Schloss im Jahr 2023 von einer GbR aus München übernommen. Der Schlossgarten ist öffentlich zugänglich und wird von engagierten Bürger*innen aus dem Umland, die sich die „Parkengel“ nennen, gepflegt und bewirtschaftet. Die Entwicklungen und Umbrüche der sächsischen Kulturgeschichte haben sich in der Schlossanlage Seußlitz in besonderer Weise ablesbar erhalten. Das Anwesen wandelte sich über mehrere Jahrhunderte von einem mittelalterlichen Klarissenkloster zu einer repräsentativen barocken Schlossanlage mit Schlosskirche, Terrassengarten und Rittergut. Heute steht das leerstehende und bislang ungenutzte privatisierte Gebäude im Kontrast zu der sorgfältig gepflegten Parkanlage, die besonders an Wochenenden von interessierten Besucher*innen erkundet werden kann. Die vielschichtige Bau- und Nutzungsgeschichte macht Schloss Seußlitz jedoch bis heute zu einem bedeutenden Zeugnis sächsischer Landes-, Architektur- und und Kunstgeschichte. Quellen und Archive: Vor-Ort-Begehung, Gespräche mit Bürger*innen vor Ort, eigene fotografische Dokumentation. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Denkmalliste: https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/Gast/Denkmalkarte_Sachsen.aspx?Hinweis=false. Landesamt für Archäologie. Freistaat Sachsen: https://archaeo-sn.de/ort/3171/ Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: https://hov.isgv.de/Diesbar-Seußlitz Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden. Stadtarchiv Leipzig. Digitales Bildarchiv: https://bild.isgv.de/bilder. Historische Karten und Ortspläne [Section Seußlitz aus: Topographische Karte (Meßtischblätter) Sachsen, 1938: https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70302465/df_dk_0000203.] Literatur: Bünz, Enno; Mütze, Dirk Martin u.a. (Hg.): Sächsisches Klosterbuch. Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden im Gebiet des Freistaates Sachsen, Band 3, Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde Sonderband 1, Leipzig 2025, S. 1369-1414. Christ, Johann Friedrich: Suselicium, Leipzig 1732. Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen. Bezirke Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Berlin 1965, S. 51-52. Donath, Matthias: Burgen & Schlösser in Sachsen. Petersberg 2012, S. 130-131. Ellrich, Hartmut: Das kleine Handbuch der Sächsischen Schlossgärten. Ilmenau 2025, S. 74-76. Dr. Ermisch, Hubert (Hrsg.): Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 25, Dresden 1904, S. 149-152. Poenicke, G. A.: Seußlitz. In: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. II. Section. Meissner Kreis, Leipzig 1856, S. 33. Winkel, Harald: Herrschaft und Memoria. Die Wettiner und ihre Hausklöster im Mittelalter. Leipzig 2010, S. 234-240.
- Anzahl Gebäude
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7
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