Bowlingtreff Leipzig; Städtisches Elektrizitätswerk Unterwerk Mitte (ehm.)
Herausforderungen
Erhaltung
Seitens des Denkmalschutzes sind besonders hohe Anforderungen zu erwarten, z. B. an Materialien, Oberflächengestaltung oder die zu verwendenden Bauteile.
Ursprüngliche Nutzung
öffentliche Gebäude - Sporteinrichtung
Erfolgreiche Sanierungskonzepte
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Kontakt aufnehmenUmbau Naturkundemuseum
Informationen
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Kontakt aufnehmen- Gebäudezustand
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mittlere Schäden
- Baulicher Zustand/Bauschäden
-
Das Gebäude weist deutliche Witterungs- und Gebrauchspuren sowie Graffiti auf und befindet sich im Umbau.
- Kategorie
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Sanierungskonzept
- Objekt-Nr.
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730
- Ort
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Wilhelm-Leuschner-Platz 1, 04107 Leipzig auf Karte anzeigen
- Beschreibung
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Das Eingangsgebäude des ehemaligen „Bowlingtreffs Leipzig“ befindet sich an der Ostseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes gegenüber der Tramhaltestelle. Innerhalb der städtebaulichen Einbindung markiert es die Übergangszone zwischen dem Augustusplatz, dessen prägende Bau-werke das Gewandhaus, die Oper Leipzig sowie die Ringbebauung bilden, und dem Wilhelm-Leuschner-Platz mit der Leipziger Stadtbibliothek, dem Neuen Rathaus und der Propsteikirche St. Trinitatis. Das Gebäude selbst ist ein mehrgeschossiger, ausgemauerter Stahlskelettbau mit einer klar gegliederten oktogonalen Grundform. Die Außenfassade besteht überwiegend aus rechteckigen Cottaer Sandsteinplatten, wobei der untere Fassadenbereich einen helleren Farbton aufweist. Die Fassadenflächen werden durch vertikale, zweiteilige Fensterbänder gegliedert, die sich mittig von der abgeschrägten Dachkante bis kurz oberhalb des Erdgeschosses erstrecken. Auch innerhalb der Gebäudeecken sind schmale vertikale Fenster angelegt. Besonders prägend ist ein polygonaler, aus der Fassade hervortretender Glaserker, der sich über den Baukörper von der Nord- bis zur Südseite zieht. Er besteht aus einem dunkel beschichteten Gerüst mit groß-formatigen, dunkel getönten Verglasungselementen. Im Dachbereich geht der Erker in einen tonnenförmig gewölbten gläsernen Dachaufbau über, der als Oberlichtband dient und das Ge-bäude mit natürlichem Tageslicht versorgt. Unterhalb des zur Straße gerichteten Glaserker be-findet sich ein Schild mit der Aufschrift. „PATENSCHAFT - Verein für eine bessere Umwelt e.V.“. Dabei handelt es sich vermutlich nicht um einen Bestandteil der ursprünglichen Architek-tur, sondern um einen später angebrachten Hinweis auf einen Verein, der sich wahrscheinlich für den Erhalt und die Nachnutzung des Gebäudes engagierte. An der Straßenseite befinden sich zudem zurückgesetzte Eingänge, die mit Stahlgittertoren verschlossen sind. In Richtung Wil-helm-Leuschner-Platz befindet sich außerdem ein weiterer, turmartig ausgebildeter Baukörper im gleichen architektonischen Stil, der als Fluchttreppe und Entlüftungsbauwerk dient. Auf-grund der aktuellen Bauarbeiten ist das Gelände um das Gebäude weiträumig abgesperrt, wes-halb Nahaufnahmen und detaillierte Untersuchungen zum Zeitpunkt der Begehung [10.06.2026] nicht möglich waren.
- Baujahr
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1986/87
- Nutzung
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Derzeitige Nutzung
Umbau zu Naturkundemuseum
Geschichte
Unter dem heutigen Wilhelm-Leuschner-Platz entstand 1926/27 das unterirdische „Umform-werk Mitte“, welches unter anderem der innenstädtischen Gleichstromversorgung diente. Nach der Stilllegung 1965 suchte die Stadt Leipzig nach einer neuen Nutzung für die gut erhaltene Bausubstanz. Bereits in den 1970er Jahren entstanden erste Ideen und Entwürfe, den Baukom-plex in eine Freizeiteinrichtung umzuwandeln. Aufgrund fehlender Baukapazitäten wurden die Planungen jedoch bis 1984 eingestellt. Im selben Jahr nahm Volker Sieg die Planungen wieder auf und entwickelte einen umfangreichen Entwurf, der aufgrund seines Ausmaßes keine Zu-stimmung erhielt. Daraufhin wurde 1985 ein interner Wettbewerb veranstalten, aus dem Winfried Sziegoleit als Sieger hervorging. Dieser war bereits durch die Gestaltung des Dresdner Rundkinos sowie die Mitgestaltung am Gewandhaus bekannt. Sein Entwurf des oktogonalen Baukörpers nahm Bezug auf das ehemalige „Panorama“-Gebäude am Roßplatz von 1883/84. Das sechzehneckige Gebäude mit neobarocker Außenbaugliederung beherbergte ein Panorama der Völkerschlacht sowie eine Gaststätte, bevor es 1943 zerstört wurde. Der geplante Bowling-treff übernahm diese Idee in vereinfachter Form mit einer achteckigen Grundform und einem halb so großen Durchmesser. Die Umsetzung erfolgte als Gruppenprojekt. Volker Sieg über-nahm die Projektleitung, Konzeption und die unterirdischen Bauwerke, während Winfried Szie-goleit für das Eingangsbauwerk und den Außenbereich verantwortlich war. Lothar Schiedt und Rolf Seifert übernahmen die funktionelle Bearbeitung der Untergeschosse sowie die Statik, un-terstützt durch Eberhardt Göschel und Karin Penseler. Eine Besonderheit der Entstehung war, dass die SED-Bezirksleitung Leipzig den Bau ohne vorherige Zustimmung aus Ost-Berlin be-schloss. Daher wurde das Gebäude später auch als „Schwarzbau“ bezeichnet. Durch die Unter-stützung zahlreicher Freiwilliger, die insgesamt etwa 4000 unbezahlte Arbeitsstunden leisteten, konnte der Bowlingtreff innerhalb 13 Monaten fertiggestellt werden und pünktlich am 25.07.1987 zu dem „VIII. Leipziger Turn und Sportfest“ eröffnet werden. Die Freizeiteinrichtung erhielt großen Zuspruch und wurde innerhalb der Bevölkerung als auch in Fachkreisen positiv rezipiert. Mit der politischen Wende und der deutschen Einheit 1990 än-derte sich die Wahrnehmung des Gebäudes grundlegend. Der Bowlingtreff galt zunehmend als unzeitgemäß und konnte sich gegenüber neuen Freizeitangeboten nicht behaupten. Nach verein-zelten Zwischennutzungen als Bürogebäude und Verkaufsfläche für Billigtextilien erfolgte 1997 die endgültige Schließung. In dieser Zeit kam es auch zu baulichen Änderungen, unter anderem durch das Überstreichen von Fassadenteilen und der Brauntönung der Verglasung. Erst 2007 rückte das Gebäude durch die Kulturveranstaltung „Bowling together!“ der HTWK Leipzig erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. In der Folge entstanden verschiedene Konzepte für eine Nachnutzung. 2020/21 wurde schließlich beschlossen, das neue Naturkundemuseum Leipzig im ehemaligen Bowlingtreff unterzubringen, dessen Fertigstellung für 2029 vorgesehen ist. Insge-samt stellt das Bauwerk ein bedeutendes Zeugnis der DDR-Postmoderne und der Freizeitarchi-tektur der 1980er Jahre dar, weshalb ihm ein hoher kulturhistorischer Wert zukommt. Die Erhal-tung ermöglicht die Vermittlung architektonischer, gesellschaftlicher und städtebaulicher Ent-wicklung der späten DDR und macht es zu einem wichtigen Bestandteil des Leipziger Bauerbes. Das Unterwerk Leipzig steht seit 1993 unter Denkmalschutz, das Eingangsgebäude des Bow-lingtreffs seit 2008. Literaturhinweise: • Hicquél, Wolfgang: Architekturführer Leipzig. Von der Romantik bis zur Gegenwart. Leipzig, 2023. • Menting, Anette (Hrsg.): Bowling together! Bowlingtreff Leipzig – eine Spielstätte auf Zeit. Leipzig, 2007. • Topfstedt, Thomas: Gepriesener Neubau Bowlingtreff. In: Leipziger Blätter, 16, 1990. • Hocquél, Wolfgang; Menting, Anette (Hrsg.): „…bauen mit Steinen die man hat“. Der Leipziger Architekt Winfried Sziegoleit. Leipzig, 2008.
- Anzahl Gebäude
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1
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