Aktueller Anlass: Die Sächsischen Energietage 2026
Die Aktionswochen der „Sächsischen Energietage“ widmen sich seit 2022 jährlich verschiedenen Aspekten der Energiewende und rücken das Thema der Energieeffizienz in den Fokus von Öffentlichkeit, Politik und Fachwelt. Anlagen für erneuerbare Energien und Produktionsstätten können besichtigt werden; Informationsveranstaltungen, Konferenzen, Diskussionen und Exkursionen bieten Gelegenheit, sich mit der Energiewende auseinanderzusetzen.
Anlässlich der diesjährigen Sächsischen Energietage vom 25.04.-23.05.2026 möchte dieser Blogeintrag auf das Thema des energetischen Sanierens an Denkmalen aufmerksam machen und auf bereits umgesetzte, tolle Projekte in Sachsen verweisen.
Energiewende und Gebäudebestand
Die Energiewende zählt zu den zentralen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft - um die gesetzten Klimaziele zu erreichen und den Energieverbrauch langfristig zu senken, spielt dabei insbesondere der Gebäudesektor eine entscheidende Rolle. Ein großer Teil des weltweiten Energieverbrauchs entsteht durch das Bauen, Heizen, Kühlen und Betreiben von Gebäuden. Überwiegend stammt der heutige Gebäudebestand noch aus Zeiten, in denen energetische Anforderungen eher eine untergeordnete Rolle spielten. So rückt das energetische Sanieren zunehmend in den Fokus: Planer:innen stehen bei der Modernisierung von Gebäuden vor der Herausforderung, technische Lösungen, wirtschaftliche Aspekte und gestalterische Anforderungen miteinander abzustimmen.
Was bedeutet „energetisch sanieren“?
Unter einer energetischen Sanierung sind Maßnahmen zu verstehen, die darauf abzielen, den Energieverbrauch eines Gebäudes zu senken und dessen Energieeffizienz zu verbessern. Dabei werden sowohl Gebäudehülle als auch technische Gebäudeausstattung betrachtet, mit dem Ziel, etwaige Wärmeverluste zu minimieren, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu minimieren und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu verringern. Eine energetische Sanierung kann also einzelne Bauteile betreffen - wie etwa der Austausch von Fenstern - oder mehrere Maßnahmen miteinander kombinieren, beispielsweise nachträgliche Dämmmaßnahmen und Erneuerung der Heizanlage.
Rechtlicher Rahmen: Besteht eine Pflicht zur energetischen Sanierung?
Eine allgemeine Pflicht, ein bestehendes Gebäude vollständig energetisch zu sanieren, besteht derzeit nicht. Das sogenannte Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt zwar grundsätzlich für alle Gebäude in Deutschland, unterscheidet jedoch deutlich zwischen Neubau und Bestand. Während Neubauten umfassende energetische Anforderungen erfüllen müssen, gelten für Bestandsgebäude in der Regel nur bestimmte Nachrüst- und Mindestanforderungen. So sind bisher lediglich Maßnahmen wie der Austausch bestimmter alter Heizkessel verpflichtend und auch die Erneuerung größerer Bauteile wie Dach oder Fassade muss bereits bestimmte energetische Mindeststandards erfüllen.
Ende Februar 2026 wurden seitens der Politik jedoch Pläne zur Lockerung des GEG und einer Umbenennung in „Gebäudemodernisierungsgesetz“ vorgelegt, die zum 1. Juli 2026 in Kraft treten sollen. Damit würde beispielsweise die bisherige Pflicht, neue Heizungen in Neubaugebieten zu 65% mit Erneuerbaren zu betreiben, entfallen.
Energetische Sanierung und Denkmalschutz: ein Spannungsfeld
Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten bereits zusätzlich Sonderregelungen. Zwar unterliegen auch sie grundsätzlich dem GEG, jedoch können Anforderungen entfallen, wenn energetische Maßnahmen die historische Bausubstanz oder das Erscheinungsbild eines Denkmals erheblich beeinträchtigen würden. In solchen Fällen entscheidet die zuständige Denkmalschutzbehörde gemeinsam mit den Planenden über mögliche Ausnahmen und alternative Lösungen.
Für die Praxis bedeutet dies: Energetische Verbesserungen sollten auch bei historischen Gebäuden immer angestrebt werden, häufig sind jedoch ganz individuell angepasste Maßnahmen und Lösungen erforderlich. Ziel sollte es bleiben, den denkmalpflegerischen Wert eines Gebäudes zu erhalten und gleichzeitig den Energieverbrauch zu reduzieren.
Energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden in Sachsen
Wie die energetische und ökologische Sanierung eines historischen Gebäudes gelingen kann, zeigen beispielhaft einige im Denkmalradar eingetragene Sanierungsprojekte.
Das aufs Jahr 1839 datierte Hofensemble im sächsischen Ohorn, bestehend aus einem denkmalgeschützten Einfamilienhaus und einer denkmalgeschützten Scheune, wurde behutsam, mit viel Liebe zum Detail und in großen Teilen in Eigenleistung saniert. Nicht nur die ökologische Umsetzung der Sanierung, durch den Erhalt möglichst vieler alter Bauteile und die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien ist besonders gut gelungen, auch das Energiekonzept ist vorbildlich: der Einbau einer Wärmepumpe mit zwei Erdsonden versorgt Scheune und Wohnhaus mit Heizenergie.
Bei der Sanierung des denkmalgeschützten Mehrfamilienwohnhauses in Dresden-Neustadt wurde auf einen Erhalt der historisch wertvollen Bauelemente geachtet. Die Klinkerfassade und die Sandstein-Fenstergewände sind im Original erhalten und sichtbar. Die Gebäudehülle konnte trotzdem komplett gedämmt werden. Verwendet wurden überwiegend ökologische Baustoffe. So erhielt die verklinkerte Straßenfassade eine Innendämmung. Die Hoffassade wurde mit einer äußeren Wärmedämmung in Holzbauweise mit Zellulose-Einblasdämmung gedämmt. Durch den Einbau der Erdreich-Wärmepumpe wird der Energiebedarf effizient und umweltverträglich gedeckt. Aufgrund der hohen Lärmbelastung durch die Straße wurde zusätzlich eine Lüftungsanlage eingebaut.
Der Umbau und die energetische Sanierung des ehemaligen Helenenheims in Dresden für eine Baugemeinschaft aus drei Familien überzeugt durch seine ökologische und energetische Sanierung. Die historischen Bauteile, die dem Gebäude sowohl nach außen als auch nach innen seinen Charakter verleihen, wie etwa Fassadengesimse, Fenster, Stuckdecken und Parkettböden, konnten erhalten bleiben. Neben einer äußeren Wärmedämmung der Außenwände wurden auch Wärmedämmputz und Innendämmung verbaut. Fußboden und Dachgeschoss wurden ebenfalls durch Dämmmaßnahmen ertüchtigt. Eine Grundwasser-Wärmepumpe und holzbefeuerte Kaminöfen beheizen das Gebäude nachhaltig. Darüber hinaus wurde auf die Verwendung ökologisch unbedenklicher Baustoffe geachtet.
Das Vorwerk Nickern in Dresden, nach der Wende bis zum Verkauf 2006 von völligem Verfall bedroht, wurde schrittweise restauriert und modernisiert. Die starken Schäden an der Tragstruktur wurden behoben, das Holzfachwerk wurde vollständig entfernt, saniert und wieder verbaut, die Gefache mit Lehm geschlossen. Original-Elemente wurden nach Möglichkeit wiederverwendet. Alle Teile des Gebäudeensembles wurden soweit möglich auf Niedrigenergiestandard gebracht.
Das ehemalige Handwerkerhaus in Alttolkewitz in Dresden wies vor der Sanierung sowohl an den Holzbauteilen als auch im Mauerwerk starke Schäden auf. Zwar war ein Ersatzneubau bereits genehmigt, doch die engagierten Bauherren nahmen sich dem Bestandsgebäude an und erhielten wiederverwertbare Bausubstanz und setzten Instand, was ging. Durch den anschließenden Einbau einer Innendämmung der Außenwände mit Gasbeton, die Dämmung des Daches mit Zellulose-Einblasdämmung, die Dämmung des Erdgeschossfußbodens mit Glasschaumgranulat, sowie die Erneuerung der stark geschädigten Holzfenster entsprechend der denkmalpflegerischen Vorgaben konnte, der KfW-Standard „Effizienzhaus Denkmal“ erreicht werden.
Das innovative Energiekonzept des Gemeinde- und Bürgerzentrums Cunewalde verbindet Tradition und Moderne: Da der Standort der Fabrik untrennbar mit dem angrenzenden Trutzmühlteich verbunden ist, sollte die Nutzung der dem Wasser innewohnenden Energie als technisch-historisches Element aufgegriffen werden. Der Trutzmühlteich wurde in die Freiflächengestaltung einbezogen. Gleichzeitig dient er auch zur Wärmeerzeugung, indem parallel zum Gebäude (unter dem Parkplatz) ein Fließwasserwärmetauscher installiert wurde. Diese innovative Technologie wandelt Wärmeenergie aus dem Überlaufwasser des Teiches in Heizenergie um und deckt so den Wärmebedarf des Gebäudes zu 80 Prozent. Auf dem Dach des Gebäudes wurde zudem eine Photovoltaikanlage installiert, die eine jährliche Energieerzeugung von knapp 9.500 KW/h einbringt. Die gewonnene Energie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und vom Stromerzeuger vergütet. Das Energiekonzept trägt also zur Kosteneinsparung in der Gemeinde bei und ist zudem umweltschonend, da es auf erneuerbare Ressourcen setzt.
Das Gebäude an der Kreuzstraße 26 in Leipzig wies vor seiner Sanierung starke Schäden auf: Brandschäden, eindringende Feuchtigkeit durch Jahre ohne Dach, eingestürzte Decken und Hausschwammbefall. Durch die Aufnahme des Gebäudes auf die Prioritätenliste des Gebäudesicherungsprogramm der Stadt konnte die Wiederherstellung der Standsicherheit gewährleistet werden, anschließend wurde auch in Eigenleistung energetisch und denkmalgerecht saniert. Nach dem Abschluss der Gebäudesicherung erfolgte der schrittweise Innenausbau nach dem Konzept der „Gentle Gentrification“ in Kooperation mit dem Projekt „teilsaniert“, dem Verein archleague e.V. sowie zahlreicher Künstler*innen.
Energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden in Sachsen - gelungene Beispiele aus dem Denkmalradar
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